top of page
IMG_175111.jpg

Resonanz

 

Meine Malerei begann mit einer unsichtbaren Kraft: der Schwerkraft.

Ich wollte sichtbar machen, was man nicht sehen kann – die Bewegung und die Spuren einer Kraft, die ständig auf alles wirkt. Wasser und Pigment begannen auf der Leinwand ihren eigenen Weg zu finden. Dabei entdeckte ich, dass ein Bild nicht vollständig von mir bestimmt werden muss.

Die Natur als Mitgestalterin

 

So wurde die Natur für mich zu einer Mitgestalterin meiner Malerei.

Ich verstehe Natur als etwas Eigenständiges, das aus sich selbst heraus existiert und sich ständig verändert. Ich gebe eine Richtung vor, aber nicht das Ergebnis. Zwischen meiner Absicht und der Eigenbewegung von Wasser, Pigment, Material und Schwerkraft entsteht ein lebendiger Prozess – ein Zusammenspiel von Kontrolle und Loslassen.

Beziehung und Resonanz

 

Mich interessiert dieser Moment, in dem etwas zwischen Mensch und Material geschieht.

Auf der Leinwand begegnen sich meine Entscheidung und die Kräfte der Natur. Sie reagieren aufeinander und antworten einander. Der natürliche Fluss der Farbe wird zu einer Form von Kommunikation. Malen bedeutet für mich deshalb auch, aufmerksam zu beobachten, zuzuhören und auf das zu antworten, was entsteht.

Landschaft

 

Heute wird aus diesem Prozess Landschaft.

Nicht als Abbild eines bestimmten Ortes, sondern als eine Landschaft, die aus Bewegung, Veränderung und Beziehung entsteht. Denn Landschaft ist für uns immer beides: Sie ist etwas, das wir betrachten, und zugleich der Raum, in dem wir leben. Deshalb ist sie für mich zugleich äußere Natur und innere Landschaft – ein Ort, an dem sich die Struktur der Natur mit menschlicher Wahrnehmung, Erfahrung und Erinnerung verbindet.

Was ich erforsche

 

Ich möchte die Natur nicht nachbilden, sondern eine Beziehung zu ihr in der Malerei erforschen.

Mich interessiert, wie menschliche Wahrnehmung und die Eigenbewegung der Natur miteinander in Resonanz treten können. Die Leinwand wird zu einem Raum, in dem Mensch, Material, Schwerkraft und Farbe gemeinsam etwas entstehen lassen. So verstehe ich Landschaft nicht als festes Bild der Natur, sondern als einen lebendigen Prozess – und Malerei als eine Möglichkeit, mit der Welt in Beziehung zu sein.

Die „Partikel-Serie“ richtet den Fokus auf die elementaren Bausteine der Natur – energetische Molekularbewegungen. Ich arrangiere keramische Kreise auf der Leinwand, besprühe sie mit Acrylfarbe und verändere ihre Position, entferne oder verschiebe sie. Dadurch entstehen Rhythmen von Ausdehnung und Verdichtung, von Ordnung und Auflösung.

Dieser Prozess ist organisch und enthält ein Moment des Zufalls – wie ein natürlicher Vorgang. Malerei wird hier zu einem Medium, das nicht bloß visuelle Bilder zeigt, sondern Energien, Wechselwirkungen und die Tiefe des Natürlichen zum Ausdruck bringt.

Es geht mir nicht darum, Natur zu erklären, sondern ihre Bewegungen zu erspüren – wie sie sich ausbreiten, verdichten, verschwinden – und dabei eine stille Spur in uns hinterlassen.

  • Instagram

© 2022 by seunghee.shin

bottom of page